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Endlich frei!

Nach 27 Jahren Konzerntankstelle jetzt Wechsel zur Freien

Soll der Wechsel von einer Konzerntankstelle zu einer freien Station vollzogen werden, muss sich der Betreiber vielen Fragen stellen: Wie viel muss ich investieren? Bin ich bereit, mehr Zeit in die Organisation zu stecken? Werden mir meine alten Kunden weiterhin die Treue halten? Christine Winkler ist das Projekt „freie Tankstelle“ nach 27 Jahren bei einem namenhaften Konzern angegangen. Dem TANKSTOP berichtet sie über den Wechsel und ihre Erfahrungen.

„Es war schon immer unser Traum, selbstständig zu sein“, erklärt Christine Winkler, die gemeinsam mit ihrem Mann Peter eine Tankstelle und Werkstatt im bayrischen Baunach führt. Dabei sind die Rollen klar verteilt: Peter Winkler kümmert sich um die von Beginn an freie Werkstatt, Christine Winkler ist für die Tankstelle zuständig.

Vor 27 Jahren erwerben Winklers über eine Zwangsversteigerung die Station und gehen einen Vertrag mit einem großen Mineralölkonzern ein. Kurz darauf richten sie zusätzlich eine freie Werkstatt ein. Mit dem Auslaufen des Tankstellen-Vertrags zum Jahresende 2014 beschließen sie, vollkommen unabhängig zu werden. Der neue, vom Konzern angebotene Vertrag beinhaltet keine Gewinnaussichten für das Unternehmerpaar. Im Gegenteil, er ist sogar noch schlechter als der vorherige. Verhandeln lässt der Konzern nicht mit sich. Auch andere Mineralölgesellschaften, die bei Winklers einsteigen wollen, machen zu schlechte Angebote. Aber so ganz ohne Tankstelle wollen die beiden auch nicht. „Die Räumlichkeiten und das Grundstück sind ja vorhanden. Und zum Aufhören sind wir noch zu jung“, lacht sie. Auch Baunachs Bürgermeister und die Bewohner des Ortes sprechen sich für den Erhalt der Tankstelle aus.

Kontakt zu anderen „Freien“ gesucht

So wird im März 2014 umgesetzt, was sich Winklers 1999 aufgrund des damals mäßigen Eigenkapitals noch nicht getraut hatten: Der Vertrag mit der Mineralölgesellschaft wird zum Ende des Jahres gekündigt. Christine Winkler fährt fortan die freien Tankstellen im Umkreis von 20 Kilometern ab und führt viele Gespräche mit den Betreibern. „Das ist sehr wichtig und auch toll“, erklärt sie. „Alle haben mir Mut gemacht. Die Betreiber geben ihre Erfahrungen gerne weiter. Noch heute stehen wir zu einigen von ihnen in Kontakt.“

Das Lösen vom Konzern läuft dagegen nicht ganz reibungslos ab. Obwohl der Vertrag ab dem 1. Januar 2015 keine Geltung mehr hat, hat Christine Winkler bis kurz vor Weihnachten 2014 keine Information, wann die Station geschlossen werden soll. Die Zeit drängt, denn vorschriftsmäßig muss der Konzern das Grundstück rückgebaut und dekontaminiert hinterlassen. Winklers sehen nach mehreren Versuchen, an Informationen zu gelangen, keine Chance mehr zur Kooperation und sehen sich dazu gezwungen, rechtlichen Beistand zu holen. Glücklicherweise erweist sich das Grundstück letztendlich frei von jeglichen Altlasten.

Hohe Investitionen und viele schlaflose Nächte führen zum großen Glück

Am 28. Februar 2015 wird die Station endlich geschlossen. Da der Shop 1999 vollkommen neu gestaltet worden war, wird im Inneren der Tankstelle lediglich ein wenig umgeräumt und gestrichen. Der Außenbereich erstrahlt dagegen in ganz neuem Glanz: orange-blau geflaggt und ausgestattet mit neuer Technik. Die Firma Tokheim Göhler wird dafür engagiert und überzeugt mit ihrer Arbeit. Zählen kann Christine Winkler auch auf einen befreundeten Architekten sowie einen Bauingenieur – sie engagieren sich ehrenamtlich und sind eine große Hilfe beim Aufbau der Station. Insgesamt investieren Winklers den Gegenwert eines Einfamilienhauses. Christine Winkler ist überzeugt, dass es jeder Cent davon wert ist: „Man muss sich warm anziehen und es kommen viele schlaflose Nächte auf einen zu. Aber am Ende ist man überglücklich. Mittlerweile bereuen wir, dass wir den Schritt nicht früher gegangen sind.“ Vor allem freut sie sich, dass die Kooperation mit dem Mineralölkonzern letztendlich noch funktioniert hat und die Parteien im Guten auseinander gegangen sind.

Die Tankstelle eröffnet schließlich am 1. Juli 2015 und damit zwei Monate später als zuerst geplant. Die insgesamt vier Monate Verdienstausfall können Winklers aber glücklicherweise durch ihre Werkstatt ausgleichen.

Mehr Gewinn und ein neuer Kundenstamm

Nun ist Christine Winkler in allen Entscheidungen frei – von der Auswahl der Lieferanten bis hin zur Wahl des Kreditkartensystems. Das bedeutet zwar mehr Arbeit, aber auch mehr Gewinn. Dennoch rät die Unternehmerin allen, die über einen Wechsel nachdenken, sich nicht hochgradig zu verschulden. Denn letztendlich habe sich der Umsatz nur unwesentlich erhöht. Eine gute Bank, die angemessen berät, ist demnach wichtig. Zudem sollte Geld für einen Anwalt eingeplant und eine gute Beziehung zum Bauamt und Bürgermeister gepflegt werden. „Das kann sehr hilfreich werden“, betont die Unternehmerin. Kurz vor der Eröffnung der Station werden Winklers außerdem Mitglied im Bundesverband Freier Tankstellen (bft), der gleich beratend zur Seite steht. Auch die über den Shop der Einkaufsgesellschaft freier Tankstellen (eft) erworbene Berufsbekleidung gefällt.

Mit der Quantität der Kundschaft ist die Betreiberin zufrieden. Die alte Kundschaft ist ihr erhalten geblieben. Ehemalige Flottenkunden, die gewechselt haben, werden durch neue, die meist aus Prinzip oder wegen des günstigeren Preises bei „Freien“ tanken, wieder wettgemacht. Besonders schätzen die Kunden die persönliche Betreuung, wie Christine Winkler erklärt. Durch die angeschlossene Werkstatt kann dem Tankkunden bei Bedarf schnell und fachgerecht weitergeholfen werden.

eft / JP

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